· 

IN MEMORY OF RACING LEGEND "JOEY DUNLOP" - "THE KING OF THE ROADS"

Joey Dunlop 📷Stephen Davison
Joey Dunlop 📷Stephen Davison
Statue at the Joey Dunlop Memorial Garden, Ballymoney, County Antrim
Statue at the Joey Dunlop Memorial Garden, Ballymoney, County Antrim

The King of the Roads

 

Bis zu seinem tödlichen Unfall im Jahr 2000 war der Nordire William Joseph "Joey" Dunlop (OBE) einer der erfolgreichsten Motorrad-Strassenrennfahrer der Geschichte und war bereits zu Lebzeiten eine Legende und als "King of the Roads" bekannt. Die Swiss-Moto in diesem Jahr widmete ihm eine Sonderausstellung.

 

Sein Palmarès sagt alles! Der am 25.02.1952 im nordirischen Ballymoney geborene "Joey" Dunlop gewann von 1982 bis 1986 fünfmal in Folge die TT-F1-WM auf einer Honda.

 Mit seinen insgesamt 26 Siegen auf der "Isle of Man" ist "Joey" auch heute noch Rekordhalter - allerdings liegt ihm "John McGuinness" mit seinen 23 TT-Sieger schon nah im Nacken umso mehr, er derzeit noch als aktiver Fahrer unterwegs ist.

 

In 25 Jahren blieb "Joey" nur acht Mal ohne Sieg auf der Insel - und das notabene bei total 98 Starts. 80 Mal holte er Preise ab und fuhr über 250 Runden mit einem Duchschnittstempo von über 180 km/h.

Joey Dunlop mit seinem Bruder Robert bei einem Rennen 1990 📷Stephen Davison
Joey Dunlop mit seinem Bruder Robert bei einem Rennen 1990 📷Stephen Davison

Der Racer

Seinen wohl grössten Erfolg feierte Dunlop im Jahr 2000, als er bereits 48-jährig und in seinem 32. Jahr seiner Rennkarriere nochmals die TT-F1 - die Königsklasse der "Isle of Man" - auf einer für ihn komplett neuen, schwer zu beherrschenden Honda VTR 1000 SP1 gewann. Bei diesem Rennen schaffte Dunlop auch seine absolut schnellste Runde mit einem Durchschnitt von 199,34 km/h. 

 

Nur wenig später, am 2. Juli 2000, verunglückte er in Tallinn (Estland) bei einem von ihm unterstützten, internationalen Rennen, das allerdings zu keiner Meisterschaft zählte, tödlich. Mehr als 50'000 Trauergäste kamen zur Beerdigung.

Die Gedenkstätte für Joey Dunlop im estnischen Wald bei Tallinn erinnert an das tragische Unglück vom 2. Juli 2000 📷Stephen Davison
Die Gedenkstätte für Joey Dunlop im estnischen Wald bei Tallinn erinnert an das tragische Unglück vom 2. Juli 2000 📷Stephen Davison

NACHRUF Joey Dunlop (Archivversion von Motorrad 16/2000)

Farewll Joey

Der King of the Roads starb auf der Strasse. Bei einem Rennunfall in Estland

Sonntag, 2. Juli, Tallin/Estland. Straßenrennen. Nieselregen.
Joey Dunlop zieht seiner Honda RS 125 vorn einen Regenreifen auf, entscheidet sich hinten für Intermediate.
Hofft bei abtrocknender Strecke auf einen Vorteil gegenüber der durchweg auf Nummer Sicher, auf Rillen, setzenden Konkurrenz. Die braucht er eigentlich nicht zu fürchten.
Beim Supersport-Rennen am Samstag und im Superbike-Lauf am Sonntagmorgen hat er sie klar distanziert.
Aber Joey geht immer aufs Ganze. Er kann nicht anders.
In einer Kurve rutscht das Hinterrad weg, Joey knallt gegen einen Baum, ist sofort tot.
Der 48-Jährige hinterlässt Frau und fünf Kinder.
»Joey starb bei der Sache, die er am meisten liebte auf der Welt«, tröstet sich Superbike-Champion Carl Fogarty, einer von Joeys größten Fans.
Die englische und irische Radio- und TV-Stationen unterbrechen ihr Programm. Für einen Helden, der nie einer sein wollte. Für den berühmtesten, den beliebtesten Motorradrennfahrer auf den britischen Inseln.
Und nicht nur dort. Seinen Ruhm verdankt Joey einem einzigen Rennen. Der Tourist Trophy (TT), diesem 62 Kilometer langem Wahnsinnskurs auf der Isle of Man. Der jedes Jahr seine Opfer fordert. Auf den sich der Grand-Prix-Zirkus schon lange nicht mehr traut.

26 Mal hat er dort gewonnen, erstmals 1977, zuletzt 2000. Platz eins.

Gefolgt von einem gewissen Mike Hailwood mit 14 Siegen.

Lange Jahre schipperte der Nordire aus Ballymoney auf einem alten Fischkutter kostengünstig rüber zur Isle of Man.
Bei einem dieser Trips, anno 1985 soll es gewesen sein, haute Joey bei rauer See für die Crew und sich ein paar Koteletts in die Pfanne. Justament als sein Bruder Robert in die Kombüse kam und ihn fragte »Ist da auch genug Salz dran?«, begann die Nusschale zu sinken. Joeys einziger Kommentar: »Jetzt sollte es wohl reichen, oder?«
Für Joeys Verhältnisse eine veritable Rede. Er sprach nie viel. Hatte den Ruf des legendären Schweigers weg, der selbst nach triumphalen Siegen bescheiden und in sich versunken an der Bar des Pressezentrums stand, Zigarette in der einen, Bier in der andern Hand.

Das Rauchen hat er vor fünf Jahren aufgegeben, das exzessive Trinken auch. In seinen frühen Jahren konnte Joey bis vier Uhr morgens zechen und am selben Tag noch Rennen gewinnen. Ein echter Ire eben, der in seiner Heimatstadt Ballymoney im County Antrim den Pub am Bahnhof, The Railway Tavern, betrieb.

 

Er sagte auch nicht viel, als er seinen dezent angerosteten Renntransporter mit Medikamenten, Klamotten, Spielzeug belud und auf den Balkan fuhr. In der Glotze hatte er Bilder vom Elend der Kinder in den Bürgerkriegsregionen gesehen. Die ließen ihn nicht mehr los, da musste er was tun. In Bosnien lauerten ihm auf einer seiner Touren Soldaten auf, wollten irgendwelche Passierscheine sehen, die er natürlich nicht hatte. Als der Oberbefehlshaber, zu dem sie ihn schleppten, Joey sofort erkannte, war er wohl zum ersten Mal in seinen Leben wirklich stolz auf seinen Ruhm.
Gegen das Versprechen, ihm Rennplakate, Programme und Autogrammkarten zu schicken, ließ der Warlord Joey weiter ziehen.

Für seine humanitären Aktionen hat ihm die Queen den Titel eines Officer of the British Empire (OBE) verliehen.

 

Im Fahrerlager trug der Officer liebend gern ‘nen antiquarischen Jogginganzug unter der obligatorischen Teamjacke, ließ sich das grau gewordene Haar versträhnt in die Stirn fallen.
Einer von der alten Garde, der auf Äußerlichkeiten keinen Penny gab. Einer, der seinen Sport lebte, nicht zelebrierte. Dessen feingliedrige, immer schmutzige Finger grandioses Schraubertalent verrieten. Der äußerlich einen völlig teilnahmslosen Eindruck machte, dessen Augen aber auch Mitte 40 noch leuchteten wie die eines Kindes, das sich noch wirklich freuen, begeistern kann. Der ein anderer Mensch wurde, wenn er auf dem Motorrad saß und seine 168 Zentimeter mit den Honda verwuchsen, denen er – und auch das ist für einen Rennfahrer bemerkenswert - die letzten 20 Jahre die Treue hielt.

Nach seinem Tod haben die Fans Joeys Kneipe zur Gedenkstätte umdekoriert. Wenn Joey das sehen könnte, würde er sich im Grab umdrehen. Und wieder mit dem Rauchen anfangen.                                        

Der Mensch

Es waren aber nicht nur sein kompromissloser Fahrstil und seine Erfolge, die Dunlop zur grössten TT-Legende machen. Es war auch der Mensch Dunlop, der faszinierte und deshalb bei allen beliebt war. Er liess sich zeitlebens in kein Schema pressen und war sich seiner Arbeiter-Herkunft stets bewusst. So erinnert sich Honda Racing Manager Neil Tuxworth: «Joey schraubte stets selbst an seinen Maschinen.»

Und als eine neue Vergaserbatterie für den Rennbetrieb freigegeben wurde, schickte Honda die 30'000 Pfund teuren Vergaserteile sorgsam verpackt nach Irland. «Wer Honda kennt», so Tuxworth, «weiss, dass die Japaner dazu ein ganzes Stück über ihren Schatten springen mussten. Als ich darauf zusammen mit einem ranghohen Honda-Vertreter aus Japan Joey in seiner Werkstatt besuchen wollte, war dieser nicht da.»

Dafür stand die exklusive Rennmaschine mit offenem Motor draussen auf der Wiese im Regen. Und davor säuberlich ausgelegt die unbezahlbaren Vergaserteile aus Japan. «Mir war dies extrem peinlich», erinnert sich Tuxworth. Und er wollte sich bei seinem japanischen Gast entschuldigen. Dieser lächelte nur und antwortete: «Keine Sorge, Tuxworth-San. Auch in Japan kennen wir Joey Dunlop mittlerweile.»

Der Wohltäter

Joey Dunlop wurde zweimal mit dem «Order of the British Empire» (OBE) ausgezeichnet – 1986 für seine sportlichen Erfolge und zehn Jahre später für seine gemeinnützigen Aktivitäten. Dunlop sammelte mehrmals in seiner Gegend alte Kleider, lud diese in seinen Renntransporter und fuhr damit nach Rumänien, Bosnien oder Albanien. Trotz all seinen Siegen und Auszeichnungen blieb der erfolgreichste Motorrad-Strassenrennfahrer der Geschichte stets bescheiden: «Ich wollte niemals wirklich ein Superstar sein. Ich will nur ich selbst sein. Ich hoffe, dass die Leute sich so an mich erinnern.»

In seiner Gegend sammelt Dunlop mehrmals Kleider und fuhr diese in seinem Transporter nach Rumänien, Bosnien oder Albanien. 📷Stephen Davison
In seiner Gegend sammelt Dunlop mehrmals Kleider und fuhr diese in seinem Transporter nach Rumänien, Bosnien oder Albanien. 📷Stephen Davison

Familie mit Benzin im Blut

Die nordirischen Dunlops waren und sind eine töffverrückte Familie. Neben Joey Dunlop fuhren auch sein jüngerer Bruder Robert – er starb am 15. Mai 2008 bei einem Trainingsunfall – seine Neffen William und Michael sowie sein Sohn Gary Töffrennen.

 

Unter der Bezeichnung «Irish Road Racing and the legendary Dunlops» ermöglichen Gary und William Dunlop der Swiss-Moto eine einzigartige Sonderausstellung mit vielen persönlichen Erinnerungsstücken aus ihrer privaten Sammlung. Ebenfalls extra nach Zürich transportiert wird zudem ein Isle of Man-Simulator, auf dem die Messebesucher eine Runde der berühmten TouristTrophy auf dem Sozius von Michael Dunlop erleben können. 

 

Joey Dunlop > Verwandte:

Willie Dunlop = Vater

May Dunlop = Mutter

Robert Dunlop = Bruder

Linda Dunlop = Ehegattin

Gary Dunlop = Sohn

Julie Dunlop = Sohn

Richard Dunlop = Sohn

Joanne Dunlop = Tochter

Donna Dunlop = Tochter

Michael Dunlop = Neffe

Daniel Dunlop = Neffe

Sam Dunlop = Neffe

William Dunlop = Neffe

Die Familie Dunlop ist auf der Rennstrecke zu Hause. Auch Joyes Neffe Michael, sein Neffe Sam, sein Burder Robert und sein Neffe William (v.l.) fahren Motorradrennen. 📷Stephen Davison
Die Familie Dunlop ist auf der Rennstrecke zu Hause. Auch Joyes Neffe Michael, sein Neffe Sam, sein Burder Robert und sein Neffe William (v.l.) fahren Motorradrennen. 📷Stephen Davison

IoM TT: Eine Runde auf dem gefährlichsten Kurs (www.motorsport-magazin.com)

Die Schlüsselstellen des Snaefall Mountain Circuit auf der Isle of Man

60,72 Kilometer über öffentliche Straßen. Der Snaefell Mountain Course auf der Isle of Man ist die ultimative Herausforderung. Eine Runde im Überblick:

 

Fast 250 Fahrer kamen bisher bei der Tourist Trophy ums Leben. Eine erschreckende Anzahl bei bisher 104 Ausgaben des legendären Rennens auf der Isle of Man. Diskussionen über ein Verbot der Tempohatz auf kurvigen Landstraßen und mitten durch ungesicherte Ortschaften gab es immer wieder. Zeitgemäß sei die TT schon lange nicht mehr, meinen ihre Kritiker. Doch das Rennen übersteht alle Trends und ist heute populärer denn je. Gefahr bedeutet im Motorradsport eben immer auch eine gewisse Faszination. 

 

Rund um die Isle of Man gibt es unzählige Passagen, in denen dem Zuseher der Atem stockt. Die weltbesten Road Racer passieren sie, ohne mit der Wimper zu zucken. Jeder Abschnitt dieser Strecke ist für sich etwas Besonderes, wir haben für euch aber sechs ganz besondere Stationen auf einer Runde auf der Isle of Man ausgewählt. Aufsitzen und festhalten, es wird gefährlich!

Onboard: Eine Runde auf der Isle of Man mit John McGuinness: (17:16 Min.)

Bray Hill

Die Tourist Trophy wird als Zeitfahren ausgetragen. Die Piloten werden also einzeln im Abstand von wenigen Sekunden auf die knapp 61 Kilometer rund um die Insel geschickt, sechs Umläufe gilt es abzuspulen. Bereits nach ein paar hundert Metern wird es in Runde eins erstmals ernst. Mitten im Hafenstädtchen Douglas gilt es 'Bray Hill' zu meistern. Hierbei handelt es sich um einen steil abschüssigen Streckenabschnitt, der in einer leichten Kurve durchfahren wird und auf die eine heftige Kompression sowie eine ebenso steile Bergaufpassage folgt.

Extrem kritisch ist der Abschnitt nach der Kompression. Bei weit über 250 Stundenkilometern wird die Federung der Motorräder zunächst massiv belastet, was in der Folge zu einer Entlastung führt, wodurch die Maschinen extrem viel Grip verlieren. Zusätzlich verkompliziert wird 'Bray Hill' dadurch, dass es der erste wirklich anspruchsvolle Teil der Strecke ist. Die Reifen sind also noch nicht auf Betriebstemperatur, die Piloten teilweise ebenso wenig. Noch dazu beeinträchtigt der bis zur Oberkante gefüllte Tank das Fahrverhalten der Motorräder natürlich zusätzlich negativ.

Crosby Crossroads

 

Bis zu unserem nächsten Höhepunkt auf einer Runde um die Isle of Man sollte man etwaige Aufwärmübungen hinter sich gebracht und ein Gefühl für das vollgetankte Motorrad gefunden haben, denn es folgt die erste große Mutprobe. Wir rasen auf 'Crosby Crossroads' zu. Im sechsten Gang geht es in einer langgezogenen Linkskurve durch die dem Streckenteil namensgebende Ortschaft Crosby in Richtung eines mächtigen Sprungs.

Ist man schnell genug unterwegs, verliert man hier zwangsläufig den Kontakt zum Boden. Die Flugzeit kann nur minimiert werden, in dem man sich so weit wie möglich rechts auf der Strecke hält, den dort befindlichen Randstein aber im Idealfall nicht touchiert. Der Sprung muss sitzen, denn bei der hier erreichten Geschwindigkeit kommt die folgende Rechts-Links-Kombination schneller, als einem lieb ist. In Anbetracht von kantigen Steinmauern und mächtigen Bäumen am Streckenrand ist ein Sturz hier alles andere als ratsam. 

Ballacraine

Der Snaefell Mountain Course, benannt nach dem mit 621 Metern höchsten Berg der Insel, wurde in den über 100 Jahren seit seinem erstmaligen Befahren unzählige Male verändert. Manche Streckenteile wurden aufgegeben und neue hinzugefügt, in vielen Passagen wurden neue Routen gewählt. Eine Kurve hat aber all die Veränderungen völlig unbeeinflusst überstanden: 'Ballacraine', nach gut zwölf Kilometern auf der Runde. Hier dreht die Strecke mit einer engen Rechtskurve in Richtung Nordwesten.

 

Die Anfahrt zu 'Ballacraine' ist extrem schnell, die Kurve für Isle-of-Man-Verhältnisse ziemlich langsam. Das erfordert ein hartes Anbremsmanöver, das in Schräglage beginnt und dadurch zusätzlich erschwert wird. Dennoch muss die Verzögerung optimal getimt sein, um maximalen Speed in die Kurve und die darauf folgende steile Bergaufpassage mitzunehmen. Gelingt das nicht, ist man versucht, im folgenden Rechtsbogen Zeit gutmachen zu wollen, was schon oft zu Körperkontakt mit der Mauer an der Kurveninnenseite geführt hat.

Lambfell

Dieser Teil wird dem Namen 'Mountain Course' absolut gerecht. Die Strecke erinnert hier an ein Bergrennen im alpinen Raum. Links und rechts der Straße ragen steile Erdwalle auf. 'Lambfell' zieht sich vom Fuß eines kleinen Hügels über den Anstieg hoch und besteht aus einer komplexen Kurvenkombination. Ein Rechtsknick wird gefolgt von einer Linkskurve, im Anschluss passiert dasselbe noch einmal. Die Kurven liegen so nah beieinander, dass dazwischen absolut kein Raum für Korrekturen bleibt. Verpasst man den ersten Scheitelpunkt nach rechts, büßt man dafür auch in den kommenden drei Kurven.

 

Das ist besonders bitter, weil auf der Anhöhe nach 'Lambfell' die erste längere Gerade der Strecke folgt. Hat man das Kurvengeschlängel gut hinter sich gebracht, kommt man hier mit einem wertvollen Geschwindigkeitsbonus an und kann erstmals ein wenig Luft schnappen. War die Linie nicht ideal, verliert man in der Folge eine Menge Zeit. Die Entspannungsphase im kurvenlosen Abschnitt wird dann auch weniger erfolgreich ausfallen. 

Ballaugh Bridge

Wer sich im Renntempo über die Isle of Man wagt, sollte zuvor den Zahnarzt seines Vertrauens konsultieren und von ihm überprüfen lassen, ob auch alle Füllungen noch richtig fest sitzen. Der Grund für diese Vorsichtsmaßnahme heißt 'Ballaugh Bridge' und ist die einzig verbliebene gewölbte Steinbogenbrücke auf dem Snaefell Mountain Course. All ihre Geschwister wurden entweder aus der Streckenführung genommen oder im Laufe der Jahre geebnet.

 

Schon beim Anbremsen zur 'Ballaugh Bridge', die beim Durchfahren eine Links-Rechts-Schikane beschreibt, geht es ruppig zur Sache. Viele, teilweise große Bodenwellen erschweren ein kontrolliertes Anbremsen. Ist das gelungen, geht es über die Brücke, die aufgrund ihres steilen Bogens zu Sprüngen mit mächtigem Luftstand führt, die Landung erfolgt im Flachen. Hier darf sich freuen, wer gute Federungselemente sein Eigen nennt.

Guthrie Memorial

Nach ziemlich genau zwei Dritteln der Strecke lassen wir die letzte größere Ortschaft vor der Rückkehr nach Douglas hinter uns. Es geht auf die weiten, freien Flächen in Richtung des Snaefell, der auf etwas mehr als 400 Metern Seehöhe, also etwa 200 Meter unter seinem Gipfel, passiert wird. Nun folgen die schnellsten Teile der Strecke, eröffnet werden sie vom Abschnitt 'Guthrie Memorial'.

Im Anschluss ist einige Kilometer lang fast Vollgas angesagt, Tempo mitnehmen ist hier also die oberste Prämisse. Mehrere flüssige Kurven reihen sich aneinander, wie so oft auf der Isle of Man zieht ein kleiner Fehler eine Kettenreaktion nach sich und man verliert extrem viel Zeit. Besonders knifflig machen 'Guthrie Memorial' die nach außen hängenden Kurven auf den Hängen des Snaefell, die regelrecht dazu einladen, mit zu großem Tempo in sie einzufahren. TT-Experten sehen die Ausfahrt aus dieser Kurvenkombination als eine der absolut wichtigsten Kurven für eine gute Rundenzeit an.

 

Hat man alles richtig gemacht und sämtliche der gut 200 Kurven wie geplant passiert, ist eine Runde in etwas mehr als 17 Minuten absolviert. Das bedeutet einen Schnitt von über 213 Stundenkilometern, den es insgesamt sechs Runden lang zu halten gilt. Was auf diesen mehr als 360 Kilometern mit den Piloten passieren wird, weiß vor dem Rennen niemand. Außer, dass am Ende definitiv der schnellste und mutigste von ihnen ganz oben auf dem Podium stehen wird. So schlagen die Sieger dem Tod ein Schnippchen und krönen sich zu lebenden Legenden.

The greatest show on earth: Die Isle of Man TT: (6:13 Min.)

Für all jene, die nach diesem Bericht der Ansicht sind, dass dies sicherlich nicht so schwierig sein könne - oder das hier vielfach übertrieben werde, ein Film der einige Crashes dokumentiert. R.I.P.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0